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Existenzgründung | Rechtsformwahl

Welche Rechtsform passt zu meinem Unternehmen?

Einzelunternehmen, GbR, UG oder GmbH? Die Rechtsform entscheidet über Haftung, Steuern, Startkapital und darüber, wie ernst Banken und Geschäftspartner Sie nehmen. Auf dieser Seite finden Sie die Antworten – und wenn Sie danach noch unsicher sind, sprechen Sie mit jemandem, der die Entscheidung selbst getroffen hat.

Die kurze Antwort

Für die meisten Gründungen in Nordrhein-Westfalen gilt eine einfache Faustregel:
  • Sie gründen allein, mit überschaubarem Risiko und wenig Kapital: Einzelunternehmen. Keine Mindesteinlage, kein Notar, sofort startklar – Sie haften aber mit Ihrem Privatvermögen.
  • Sie gründen zu zweit oder zu dritt und wollen schnell loslegen: GbR. Ebenfalls ohne Startkapital, aber alle Gesellschafter haften persönlich und gesamtschuldnerisch.
  • Sie tragen ein echtes Haftungsrisiko oder brauchen Fremdkapital: GmbH. 25.000 Euro Stammkapital, davon mindestens 12.500 Euro bei der Gründung. Die Haftung bleibt auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt.
  • Sie wollen die Haftungsbeschränkung, haben das Stammkapital aber noch nicht: UG (haftungsbeschränkt). Ab einem Euro möglich, dafür Ansparpflicht und ein schwächerer Auftritt am Markt.
Die Rechtsform ist keine Entscheidung für die Ewigkeit. Viele Betriebe starten als Einzelunternehmen und wandeln später um. Wichtiger als die perfekte Wahl am ersten Tag ist, dass Sie die Konsequenzen kennen.
Positionierungsmatrix: Haftungsschutz im Verhältnis zu Aufwand, Kapital und laufenden Pflichten für Einzelunternehmen, GbR, UG und GmbH
Interaktiver Vergleich

Rechtsform auswählen und Merkmale vergleichen

Klicken Sie auf eine Rechtsform. Darunter öffnen sich die wichtigsten Merkmale im Detail.

Einzelunternehmen

Der schnellste Weg in die Selbstständigkeit

Haftung unbeschränkt
Startkapital
Kein Mindestkapital erforderlich
Gründung
Gewerbeanmeldung bei der Kommune, rund 20 bis 60 Euro. Kein Notar, kein Handelsregister. Freiberufler melden sich direkt beim Finanzamt.
Haftung
Unbeschränkt. Sie haften mit dem Betriebsvermögen und mit Ihrem gesamten Privatvermögen, einschließlich Eigenheim und Ersparnissen.
Buchführung
In der Regel einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Erst ab bestimmten Umsatz- und Gewinngrenzen wird die doppelte Buchführung Pflicht.
Passt, wenn

Sie gründen allein, das Schadensrisiko Ihrer Tätigkeit ist überschaubar und Sie wollen ohne Vorlauf starten. Typisch für Dienstleistungen, Beratung und Handwerk im Nebenerwerb.

Darauf achten

Die volle Privathaftung ist der Preis für die Einfachheit. Prüfen Sie, ob eine Betriebshaftpflichtversicherung Ihr tatsächliches Risiko abdeckt.

Die vier gängigsten Rechtsformen im Vergleich

Was jede Form tatsächlich bedeutet – ohne Paragrafendeutsch.

Einzelunternehmen

  • Startkapital: keines
  • Gründung: Gewerbeanmeldung, kein Notar
  • Haftung: unbeschränkt, auch privat
  • Buchführung: meist einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Die schnellste und günstigste Variante. Sinnvoll für Dienstleistungen, Handwerk im Nebenerwerb und alle Vorhaben mit begrenztem Schadensrisiko. Der Preis dafür ist die volle persönliche Haftung.

GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts

  • Startkapital: keines
  • Gründung: formlos ab zwei Personen
  • Haftung: unbeschränkt, jeder für alle
  • Buchführung: in der Regel einfach
Entsteht praktisch von selbst, sobald zwei Menschen gemeinsam wirtschaften. Genau das ist die Gefahr: Ohne schriftlichen Gesellschaftsvertrag gilt das Gesetz – und das passt selten zu dem, was die Beteiligten sich vorgestellt haben.

GmbH

  • Startkapital: 25.000 Euro, mindestens 12.500 Euro eingezahlt
  • Gründung: Notar und Handelsregister
  • Haftung: auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt
  • Buchführung: doppelte Buchführung, Jahresabschluss
Der Standard, sobald es um größere Aufträge, Mitarbeitende oder echte Risiken geht. Kostet mehr Aufwand und Geld, verschafft aber Schutz und Seriosität. Achtung: Banken verlangen von jungen GmbHs häufig trotzdem eine persönliche Bürgschaft.

UG (haftungsbeschränkt)

  • Startkapital: ab 1 Euro
  • Gründung: Notar und Handelsregister
  • Haftung: auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt
  • Besonderheit: 25 Prozent des Gewinns müssen angespart werden, bis 25.000 Euro erreicht sind
Die kleine Schwester der GmbH. Gut, um mit wenig Kapital in die Haftungsbeschränkung zu kommen. Der Zusatz „haftungsbeschränkt" muss überall mitgeführt werden – manche Geschäftspartner lesen daraus, dass wenig Substanz dahintersteht.
Vergleich: Worauf Gläubiger bei Einzelunternehmen und GbR zugreifen können gegenüber GmbH und UG

Fünf Fragen, die Ihre Rechtsform bestimmen

Beantworten Sie diese fünf Fragen ehrlich, und die Rechtsform ergibt sich fast von allein.
1
Was passiert im schlimmsten Fall?
Nicht: Wie wahrscheinlich ist ein Schaden? Sondern: Wie hoch wäre er? Wer Software programmiert, riskiert selten mehr als das Honorar. Wer auf Baustellen arbeitet, mit Lebensmitteln umgeht oder Waren einkauft, kann sechsstellige Summen riskieren. Ab diesem Punkt ist die Haftungsbeschränkung kein Luxus mehr.
2
Gründen Sie allein oder mit anderen?
Sobald ein zweiter Mensch beteiligt ist, brauchen Sie klare Regeln: Wer entscheidet? Wie wird der Gewinn verteilt? Was passiert, wenn einer aussteigen will oder krank wird? Diese Fragen im Voraus zu klären, fühlt sich unnötig an, solange alle sich gut verstehen. Genau deshalb wird es meist versäumt.
3
Brauchen Sie Fremdkapital?
Banken, Förderbanken und Investoren schauen auf die Rechtsform. Für ein Mikrodarlehen genügt ein Einzelunternehmen. Wer größere Investitionen finanzieren oder später Anteile abgeben will, ist mit einer Kapitalgesellschaft besser aufgestellt.
4
Wer sind Ihre Kunden?
Privatkunden interessiert die Rechtsform selten. Große Unternehmen und öffentliche Auftraggeber dagegen prüfen genau, mit wem sie Verträge schließen. In manchen Branchen scheitert die Lieferantenfreigabe schlicht an der fehlenden GmbH.
5
Wie viel Verwaltung wollen Sie tragen?
Eine GmbH bedeutet doppelte Buchführung, Jahresabschluss, Offenlegung und laufende Steuerberatungskosten. Das ist beherrschbar, kostet aber Geld und Aufmerksamkeit – beides ist im ersten Jahr knapp.
Entscheidungspfad: fünf Fragen mit ihren Antwortmöglichkeiten und der jeweils passenden Rechtsform

Vier Fehler, die wir immer wieder sehen

Die GmbH als Statussymbol

Viele Gründerinnen und Gründer wollen die GmbH, weil sie professionell klingt. Dann liegen 12.500 Euro im Unternehmen fest, die im ersten Jahr für Marketing, Material oder schlicht zum Leben gefehlt hätten. Kapital, das gebunden ist, kann nicht mehr arbeiten.

Die GbR ohne Vertrag

Zwei Bekannte starten gemeinsam, per Handschlag. Solange es läuft, geht das gut. Sobald einer ausfällt, mehr arbeitet als der andere oder aussteigen möchte, entscheidet das Gesetz – und das teilt im Zweifel hälftig, unabhängig davon, wer was eingebracht hat.

Der Glaube, die Haftung sei erledigt

Eine GmbH schützt das Privatvermögen – bis die Bank eine persönliche Bürgschaft verlangt, der Vermieter mitunterschreiben lässt oder die Geschäftsführung ihre Pflichten verletzt. Die Haftungsbeschränkung ist real, aber sie hat mehr Löcher, als die meisten annehmen.

Die Entscheidung zu lange aufschieben

Manche Gründungen stehen monatelang still, weil die Rechtsformfrage nicht geklärt ist. Dabei lässt sich fast jede Form später umwandeln. Es ist meist besser, sauber zu starten und in zwei Jahren umzufirmieren, als heute gar nicht anzufangen.

Sprechen Sie die Entscheidung einmal durch

Die Wirtschaftssenioren NRW sind ehemalige Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte. Wir haben diese Entscheidung selbst getroffen, mehrfach, und die Folgen über Jahre erlebt. Genau das können wir Ihnen mitgeben: eine ehrliche Einschätzung Ihrer konkreten Situation.
Wir ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung – die verbindliche Gestaltung übernehmen Notar und Steuerberater. Wir helfen Ihnen davor: bei der Frage, welche Form zu Ihrem Vorhaben passt und welche Fragen Sie Ihrem Berater stellen sollten.
Das Erstgespräch ist unser Geschenk für Ihre Gründung.

Häufige Fragen zur Rechtsform

Welche Rechtsform ist die günstigste für Gründer?
Kann ich die Rechtsform später noch ändern?
Was ist der Unterschied zwischen UG und GmbH?
Welche Rechtsform ist im Handwerk üblich?
Brauche ich für die Rechtsformwahl einen Steuerberater?
Was kostet die Beratung bei den Wirtschaftssenioren NRW?
Die Wirtschaftssenioren NRW e.V. – erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer beraten Gründung, Betrieb und Nachfolge in Nordrhein-Westfalen.